„Lobau-Autobahn ist eine Erfindung der Nazis“

Spannendes Interview mit dem Philosophen Kilian Jörg zu seinem neu erschienenen Buch: Im Radio Orange Interview vom 22.11.2024 nachzuhören unter https://cba.media/685935 erzählt er über die Nazis und ihr Verhältnis zur Autobahn und eben auch, dass die Idee eine Autobahn durch die Lobau zu bauen eine Erfindung der Nazis ist.

Kilian Jörgs neues Buch ist generell sehr empfehlenswert:

Das Auto und die ökologische Katastrophe

Utopische Auswege aus der autodestruktiven Vernunft

Kaum etwas prägt die moderne Konsumgesellschaft so sehr wie das Automobil – Grund genug, unsere toxische Liebesbeziehung zu ihm zu analysieren und Auswege aus der planetaren Autodestruktion aufzuzeigen. Jenseits von Klimabilanzen und moralischen Vorwürfen unternimmt Kilian Jörg eine letzte Spritztour durch einbetonierte Vorstellungen von »Freiheit«, »Normalität«, »Vernunft« und »Natur«, die den Ökozid als alternativlos erscheinen lassen. Mithilfe von Beyoncé, Lynch und Le Guin begibt er sich auf eine Achterbahnfahrt durch Popkultur, faschistische Männlichkeit, Erdöl, Nationalparks, aktivistische Landbesetzungen und die Tugenden der Autofetischist*innen, um zu einer Utopie autofreier Welten aufzurufen.

(Text und Buchtitelseite von der Seite des Verlages)

Gernot Bauer im Profil vom 9.4.2024:

Nazi-Autobahnen: Zwangsarbeit für die „Straßen des Führers“

Dass Hitler die Autobahnen bauen ließ, zählte jahrzehntelang zu den Mythen der Zweiten Republik.Tatsächlich wurden nur wenige Kilometer komplett fertiggestellt. Die Nazi-Propaganda verherrlichtden Autobahnbau als Maßnahme zur Schaffung Zehntausender Arbeitsplätze. Doch diebeschäftigungspolitischen Effekte waren gering. Nach Kriegsbeginn im September 1939 wurden mehr und mehr Zwangsarbeiter und Kriegsgefangene auf den Baustellen eingesetzt. Viele kamen dabei ums Leben. Die Asfinag (Autobahnen- und Schnellstraßen-Finanzierungs-Aktiengesellschaft)
lässt die Zahl der Opfer und ihr Schicksal nun erstmals wissenschaftlich erforschen. ORF III sendet dazu am 13. April, 20.15 Uhr, eine Dokumentation.Als „Straßen des Führers“ bezeichnete die NS-Propaganda die Autobahnen. Die Bevölkerung sollteglauben, Hitler selbst sei ihr Schöpfer. In den USA („Parkway“) und Italien („Autostrada“) wurden Autobahnen allerdings schon in den 1920er-Jahren angelegt. Die Nazis lehnten die Schnellstraßen zunächst ab, denn diese würden bloß einer „großkapitalistischen und jüdischen Interessenswirtschaft“ dienen. Noch 1932 stimmten NSDAP-Abgeordnete im Berliner Reichstag gegen die Finanzierung des Autobahnausbaus.NS-Größenwahn

Nach der Machtergreifung der Nazis 1933 wurde die Reichsautobahn zum Inbegriff deutscher
Ingenieurskunst. Der Größenwahn fand Ausdruck beim Generalinspekteur für das deutsche
Straßenwesen Fritz Todt: „Diese Bauwerke sollen nicht gedacht sein für das Jahr 1940, auch nicht für das Jahr 2000, sondern sie sollen hineinragen gleich den Domen unserer Vergangenheit in die Jahrtausende der Zukunft.“ Aus dem Luxusgegenstand Automobil wurde ein „Volkswagen“.Die NS-Freizeitorganisation „Kraft durch Freude“ propagierte das „Autowandern“. Die Trassen – „Adern desVolkes“ – wurden bewusst entlang schöner Landschaften geplant, insgesamt baute man im Deutschen Reich zwischen 1933 und 1942 3820 Kilometer.

Etliche nationalsozialistische Quellen überhöhten die ab 1933 errichteten Autobahnen als „einmalig in der Welt“ und „Beton gewordener Wille eines Mannes“. vergl. Wickipedia zu „Reichsautobahnen“

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