Monat: September 2026

Heute genauso wie 1984: Nein zu einem Kraftwerk Hainburg!

Weil wir einen umfassenden Schutz der Lobau erreichen wollen, kämpfen wir natürlich nicht nur gegen drohende Autobahnen, sondern auch für mehr Wasser in die Au. Ausreichender Wasserzufluß ist lebenswichtig für eine Au und eine Überlebensfrage für alle geschützten Tiere und Pflanzen die auf sie angewiesen sind!

Da bei jeder Aktivität zu diesem Thema, die wir machen immer irgendwelche Kommentare auftauchen, die ein Donaukraftwerk Hainburg fordern, sehen wir uns gezwungen diesem Ansinnen entschieden zu widersprechen:

Den meisten dieser Kommentare liegt die naive Vorstellung zugrunde, dass, wenn man eine Staumauer in einen Fluß baut, der Wasserspiegel steigt und die Auen entlang des Flusses mehr Wasser bekommen und man dabei gleichzeitig preiswerten Strom erzeugen und eine Eintiefung der Flußsole verhindern kann. Quasi eine eierlegende Wollmilchsau.

Nur: Das funktioniert so nicht.

Der Fluß würde sich seitlich an der Staumauer vorbei ein neues Bett graben. Um das zu verhindern war beim Kraftwerk Hainburg vorgesehen den Stauraum links und rechts des Flusses bis hinunter zur Grundwasserstauer Schicht abzudichten. (um zu verhindern, dass sich der Fluß unten durchgraben kann) Das hätte den natürlichen Wasseraustausch zwischen Fluß seiner angrenzenden Au (das sog. „Atmen der Au“) sowohl unterirdisch – via Grundwasser – als auch oberirdisch – via vernetzen Gewässern – unterbunden. Also nicht zu mehr Wasser in die Au geführt, sondern viel weniger. Weniger und schlechteres Wasser, denn hinzukommt, dass aufgestautes Wasser in der Regel eine schlechtere Wasserqualität aufweist als Fließendes. Was für eine potentielle Nutzung als Trinkwasser aus Uferfiltrat ein großes Problem darstellen würde.

Es war sogar geplant beim Bau des Kraftwerks Hainburg für die Donau ein neues Bett zu graben und diese aus ihrem alten Bett auszuleiten. Inklusive massiver Auwaldzerstörung versteht sich.

Die Donau hat (bis zur Marcheinmündung, wo sie dann ein langsamer Tieflandfluß wird) eine Geschwindigkeit und einen Geschiebetransport wie ein Gebirgsfluß.
Bei jedem Aufstauen verlangsamt sich der Fluß und ein Teil des Geschiebes bleibt in Stauraum liegen. Z.B. Donaukraftwerk Freudenau: Damit der Stauraum von der Donau nicht „vollgeräumt“ wird, muss er laufend von den Kraftwerksbetreibern freigebaggert werden und das Material hinter der Staumauer dem Fluß wieder hinzugefügt werden. Das ist auch deshalb wichtig, weil der Fluß hinter der Staumauer besonders schnell ist und sich sonst in die Flußsole mehr und mehr eingraben würde. Eine Eintiefung der Donau wäre schlecht für die Au, weil die Au das (Grund-)Wasser immer weniger erreichen würden können. Diese laufend notwendigen Arbeiten machen den aus dem Kraftwerk Freudenau gewonnenen Strom ziemlich teuer. Bei einem Kraftwerksbau in Hainburg hätte man das gleiche Problem.

Die Planung des Kraftwerks Hainburg sah sogar vor die Flußsole hinter der Staumauer künstlich tiefer zu baggern um 15m Fallhöhe zusammen zu bekommen.

Wer glaubt, dass das Kraftwerk Hainburg die ständig steigende Stromnachfrage bis heute hätte abdecken könnte irrt: Hainburg hätte gerade mal 3 Jahre abdecken können also vergleichsweise sehr gering.

Die Donau in Österreich ist bereits eine dichte Aneinanderreihung von Kraftwerksstauräumen. Freie Fließstrecken gibt es nur mehr zwei: In der Wachau (Strudengau) und die Strecke zwischen Wien und der Staatsgrenze (Nationalpark Donau-Auen).
Hat die Donau zuviel oder zuwenig Wasser, Hochwasser bzw. Niedrigwasser, ist Stromproduktion nur eingeschränkt möglich. Im Extremfall gar nicht mehr. Das trifft dann natürlich alle Kraftwerke an der Donau. Jedes neu hinzukommende hätte das gleiche Problem. Und die ausfallenden Stromproduktionskapazitäten müssten dann von allen gleichzeitig irgendwie ersetzt werden.


2026: Die ausbleibenden Niederschläge haben bewirkt, dass die Donau viel weniger Wasser führt wie üblich. Das Kraftwerk Freudenau hat deshalb 30% weniger Strom produziert. Verbund Sprecher Florian Seidl: Die Wasserkraftwerke könne man nicht so umbauen, dass sie auch bei Niedrigwasser gleich viel Strom erzeugen. Die Stromerzeugung müsse auf erneuerbare Beine gestellt werden – es brauche einen Ausbau von Wind- und Sonnenstrom. Generell sind Extremwetterereignisse ein Problem für die Wasserkraftwerke. Beim Hochwasser im September 2024 musste die Stromerzeugung im Kraftwerk Freudenau eingestellt werden. (aus: https://wien.orf.at/stories/3364909/)

1984 hat ein breites Zivilgesellschaftliches Bündnis aus NGOs und AktivistInnen unterschiedlicher politischer Coleurs auf verschiedenste Art und Weise gegen einen Kraftwerksbau kampagnisiert und protestiert. Schließlich wurde die bedrohte Au in Hainburg und Stopfenreuth wochenlang trotz eisiger Temperaturen besetzt um die Rodungen für einen Baubeginn zu verhindern. Nach einem brutalen Polizeieinsatz und einer Großdemonstration in Wien zog Kanzler Sinowatz die Notbremse und verkündete Baustopp & Nachdenkpause. Im März 1985 wurde das Konrad Lorenz Volksbegehren gegen Kraftwerksbau und für einen Nationalpark Donau-Auen von 353.906 Wahlberechtigten unterzeichnet. Sehr wichtig für die Verhinderung des Kraftwerks Hainburg und die Rettung der Au war der juristische Kampf: Bauern aus der Umgebung zogen gegen den Wasserrechtsbescheid vor Gericht und bekamen Recht. Der Wasserrechtsbescheid wurde aufgehoben. Keine Genehmigung für einen Kraftwerksbau – das gilt natürlich bis heute.

Die Verhinderung des Kraftwerkbaus hat es erst ermöglicht, dass es 1996 dann endlich den Nationalpark Donau-Auen gab. (Eigentlich hätte es ein Nationalpark Donau-March-Thaya Auen werden sollen, aber auf diese Vervollkommnung warten wir leider bis heute).

Allen die heute wieder nach einem Kraftwerk Hainburg schreien muss klar sein, dass ein solches mit einem Nationalpark unvereinbar ist! Und: Wenn der Nationalpark Status aberkannt wäre, muss man davon ausgehen, dass verschiedenste Begehrlichkeiten aufpoppen würden und der Au die schrittweise Zerstörung droht.

Anmerkung: Die Weltnaturschutzunion (IUCN), die internationale Organisation die den Nationalparkstatus vergibt, hat sich wegen der geplanten Lobau-Autobahn besorgt gezeigt und fürchtet erhebliche negative Auswirkungen auf den Nationalpark.


Unter https://de.cba.media/698184 und https://de.cba.media/700227
findet sich eine Zeitzeugenerzählung zur Hainburg Besetzung mit Manfred Rosenberger.